Junge Indrimännchen singen anders

Mit 6,8 kg Durchschnittsgewicht und einer Kopfrumpflänge von 64-90 cm ist er der schwerste und größte lebende Lemur: der Indri aus den Regenwäldern in Madagaskars Nordosten. Der einzige Stummelschwanz unter den Lemuren, baumbewohnend und in kleiner Gruppe von 2-5 Tieren (meist ein Paar mit Nachwuchs) lebend. Das feste Territorium der Gruppe ist ca 17-40 ha groß und wird vom Männchen mit Duftdrüsen markiert. Eindrucksvoll sind die lauten Morgengesänge (meist zwischen 7 und 11 Uhr), mit denen Größe und Stärke der kleinen Gemeinschaft angezeigt wird; beide Partner tragen das „Klagelied“ im Duett vor, Nachbargruppen antworten mit Geheul. Wer einmal im Regenwald von Andasibe die gespenstisch-schönen Wechselgesänge gehört hat, die von allen Seiten zu kommen scheinen, der wird das nie vergessen! Nun fanden Forscher der Universität Turin bei der Analyse von Indrigesängen Erstaunliches heraus: Während die Gruppen ihre Gesänge meist zu einem besonders lauten „Morgenkonzert“ synchronisieren, in dem die Mitglieder eine bestimmte Rolle einnehmen, tanzen niederrangige junge Männchen mit ihrem Beat aus der Reihe. Sie rufen und antworten nicht in der „Symphonie“, sondern so, dass ihre Einzelstimmen eher zur Geltung kommen: als deutliches Signal ihrer Kampfkraft an Mitglieder anderer Gruppen und ihrer Bedeutung für zukünftige Sexualpartner. Das macht Sinn: Sie wollen einfach nur wahrgenommen werden!